Immer wieder werde ich gefragt, was Zen im Alltag bedeutet und wie ich es integriere, bzw. lebe.
Zen ist für mich jeder Moment. Jeden Moment auskosten und an nichts hängen bleiben, auch wenn das manchmal schwer fällt.
Wir alle kennen das Gefühl, wenn etwas wunderbar ist, wir glücklich oder verliebt sind. Am liebsten möchten wir das für immer behalten oder noch steigern. Und schwups ist es schon wieder vorbei, wir fallen in ein tiefes Loch und sind unglücklich.
- Aus Liebe wird Hass, aus Mut wird Angst, aus Ausschweifung wird Verzweiflung.
Genauso, wenn wir bestimmte Vorstellungen und Erwartungen haben, die nicht erfüllt werden. Dann fangen wir an zu streiten, werden wütend, möchten uns durchsetzen und am liebsten diese unangenehmen Situationen von uns wegschieben.
Leider ist es so: Je mehr wir etwas ablehnen, den Fokus darauf richten, umso größer wird das Problem.
- Manches kann sich zu einer Endlosschleife entwickeln, wenn wir nicht stoppen.
Warum: weil es alles Illusionen sind, Phänomene, die auftauchen und vergehen, ob wir wollen oder nicht.
Buddhas Lehre handelt essentiell von der Vergänglichkeit der Dinge und der Erkenntnis, wenn wir vor dem Tor des Todes stehen, nichts, aber auch gar nichts mitnehmen können.
Also woran haften wir? Warum leben wir in dem Trugschluss, daß es immer und immer wieder etwas zu erreichen gibt, daß wir alles gestalten und formen können?
Im Herzsutra, dem Maka Hannya Shingyo steht es geschrieben:
Alles ist in der Leerheit KU enthalten, entsteht in der Leerheit und vergeht in der Leerheit, taucht auf und verschwindet.
Und wißt Ihr was? Das ist so, auch wenn es Euch nicht passt!
Also nochmal: woran haften wir? Warum versuchen wir immer und immer wieder Dinge, Zustände, Personen, Erlebnisse festzuhalten?
Der menschliche Geist führt uns in die Irre.
Beispiel:
Wir haben einen guten Job, sparen Geld, gründen eine Familie, bauen ein Haus, arbeiten und arbeiten, verschulden uns womöglich, haben kaum Zeit für einander. Aber: "Wenn das alles mal geschafft ist und wir uns zur Ruhe setzen, dann legen wir los!"
Wieviele Menschen sterben genau in diesem Moment? Ausgelaugt, erschöpft vom Leben, Vieles nicht bewusst erlebt, auf die Pension gewartet: auf eine Zeit "danach".
Natürlich gibt es Phasen im Leben, die anstrengender sind als Andere, aber wenn wir Anstehendes nacheinander erledigen, mit einem ruhigen Geist und voller Konzentration, geht es erstens klarer, wesentlich effektiver und wir ermüden nicht, obwohl es viel ist.
Was uns ermüdet sind die Gedanken, die drum herum kreisen, wenn wir tausend Dinge gleichzeitig machen und hoffen, daß es dann schneller geht.
Nur ist das ein Trugschluss. Es gibt Chaos.
"Wenn Du stehst, dann stehst Du.
Wenn Du sitzt, dann sitzt Du.
Wenn Du isst, dann isst Du.
Wenn Du gehst, dann gehst Du."
Den Geist auf das Momentane lenken, nicht abschweifen und immer wieder in das Jetzt eintauchen.
Die Atmung und den Körper bewusst wahrnehmen, die Gefühle und Empfindungen loslassen. Nichts dranhängen. Einfach sein lassen, entspannen.
Das ist Zen im Alltag.